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BANGLADESCH: Erdgasförderung in Naturschutzgebieten - Umweltschützer fordern Stopp der Probebohrungen

Von Tabibul Islam
DHAKA, 21. Oktober (IPS) - Bangladesch erschließt neue Erdgasfelder, von denen ein Großteil in Naturschutzgebieten liegt. Umweltschützer fordern einen sofortigen Stopp der Probebohrungen, die Regierung aber lehnt ab.

Sie hofft auf ausländische Investitionen in Höhe von etwa drei Milliarden US-Dollar in den kommenden drei Jahren. Weiter würden zusätzliche Exporteinnahmen von jährlich mindestens 500 Millionen Dollar erwartet, so der bangladeschische Minister für Handel, Tofail Ahmed.

Nach Angaben des Energieministeriums reichen die gegenwärtigen Gasressourcen von 365 Milliarden Kubikmeter nur noch bis 2015. Die Entwicklung des Landes müsse folglich einen enormen Rückschritt hinnehmen, wenn sie den Abbau der noch brachliegenden Reserven von rund 50 Billionen Kubikmeter nicht vorantreibe.

Angaben über konkrete Maßnahmen zum Umweltschutz aber kann das Energieministerium nicht machen, obwohl die Probebohrungen ab Januar 1998 in den insgesamt 23 neuen Blocks anlaufen sollen.

21 Konzerne aus Australien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Indonesien, Irland, Kanada, Malaysia, den Niederlanden und den USA haben sich um Lizenzen beworben. Endgültig darüber entschieden, wer den Zuschlag bekommt, wird im Dezember. Einige Verträge vom Anfang des Jahres aber sind schon unter Dach und Fach, so daß in acht Parzellen bereits gebohrt wird.

Die laufenden und noch anstehenden Operationen gefährdeten nahezu alle bangladeschischen Naturschutzgebiete, so Kazi Zaki Hossain, Zoologe von der Universität in der Haupstadt Dhaka. Unfälle, mit denen Betreiber der Gasfelder täglich rechneten, hätten katastrophale Folgen für Menschen, Tiere und Umwelt.

Erst im Juni dieses Jahres habe eine Explosion auf dem Magurchara- Gasfeld in Sylhet - etwa 225 Kilometer nördlich von Dhaka - zehn Teeplantagen, etliche landwirtschaftliche Betriebe, fast 300 Hektar Wald und unzählige Häuser zerstört, so der Wissenschaftler.

Die Böden in der betroffenen Region seien für die kommenden 50 Jahre unbrauchbar. Eine ähnliche Katastrophe habe sich im übrigen 1950 in Haripur, ebenfalls im Sylhet-Distrikt, ereignet.

Die neuen Erdgasfelder in den Naturschutzgebieten stellten ein enormes Risiko für Bangladesch dar. Immerhin sei das Land noch 1947 zu 16 Prozent bewaldet gewesen, heute nur noch zu neun Prozent, so Hossain .

Auch er wisse, wie wichtig Erdgas für die weitere Entwicklung sei, und stelle sich nicht grundsätzlich gegen die Förderung, sofern die Felder bestandsfähig bewirtschaftet würden. Operationen unmittelbar in Naturschutzgebieten aber lehne er kategorisch ab. Die hier bereits angelaufenen Probebohrungen müßten sofort gestoppt werden.

Die Regierung setzte nicht nur die immer dünner werdenden Wälder aufs Spiel, sondern auch das Überleben seltener Tierarten. In diesem Jahrhundert seien in Bangladesch bereits 18 Tierarten ausgestorben und gegenwärtig seien zwischen 60 und 70 bedroht.

Zu den gefährdetsten zählten die Tiger, deren Zahl sich seit den 60er Jahren von weniger als 200 auf immerhin 400 erholt habe. Sollte die Regierung nicht umdenken, so riskiere sie, selbst die spärlichen Erfolge des bangladeschischen Naturschutzes zunichtezumachen.

In Bangladesch wurden ab 1971 etwa 14 Schutzgebiete eingerichtet, ein nicht sonderlich engagiert durchgesetztes Wildschutzgesetz stammt aus dem Jahre 1973. (Ende/IPS/hl/ger/1997)