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MENSCHENRECHTE: Gen-Sammler von US-Forschungsrat gerügt - NGOs sehen ihre Bedenken bestätigt

Von Danielle Knight
WASHINGTON, 31. Oktober (IPS) - Im Konflikt um das Projekt zur Sammlung menschlicher Gene hat der Nationale Forschungsrat der USA (NRC) mit seiner Stellungnahme den Kritikern zum Teil Recht gegeben.

Das 'Human Genome Diversity Project' (HGDP) verfolgt das Ziel, menschliche DNA-Proben aus 700 unterschiedlichen ethnischen Gruppen zusammenzutragen, vor allem von vom Aussterben bedrohten Ureinwohnergruppen.

Gedacht ist an die Yukaghir aus Sibirien, von denen nur noch 100 leben, und an die Akuriyo am Amazonas, deren Zahl nur noch bei 50 liegt. Die Zellinformationen, die aus Haar-, Gewebe- und Blutproben gewonnnen werden, sollen Forschungszwecken dienen.

Der NRC befürwortet grundsätzlich das Vorhaben, sieht jedoch in seiner jetzigen Form zu viele Schlupflöcher, die den Mißbrauch ermöglichen.

Kritiker lehnen das Vorhaben primär aus ethischen Gründen ab. Seit bereits fünf Jahren laufen sie Sturm gegen dieses und ähnliche Projekte, die bereits im Gange sind.

Das HGDP ist von einer Gruppe internationaler Genetiker und Molekularbiologen entworfen worden und wird vom US- Gesundheitsinstitut und anderen Behörden unterstützt.

Der Kontroverse um das HGDP könne die Schärfe genommen werden, wenn eine Patentierung von Genen oder Genfolgen zur wirtschaftlichen Nutzung verboten würde, betont der NRC in seinem Bericht, der in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde. Eine solche Nutzung ist beispielsweise für die Medizin interessant.

Bei dem Vorhaben, wie es bisher vorgsehen ist, sei nicht eindeutig definiert, zu welchem Zweck die Informationen genutzt werden könnten. Auch sei der Schutz der Teilnehmer beim HGDP nicht gewährleistet.

Der NRC empfiehlt der US-Regierung, mit den Vereinten Nationen oder anderen internationalen Organisationen darüber zu diskutieren, wer die Kontrolle über ein solches Projekt übernehmen könnte.

Generell sei die Sammlung von Genen für die Forschung über die menschliche Entwicklung jedoch interessant. Sie könne bedeutende Erkenntnisse in der medizinischen Forschung mit sich bringen, betont William Schull, NRC-Vorsitzender und Direktor des Zentrums für Humangenetik an der Universität von Texas.

Wissenschaftler müßten sich aber über Möglichkeiten des Mißbrauchs im klaren sein und die Teilnehmer über den Sinn des Projektes und mögliche Folgen informieren, betont er.

Genau das ist jedoch bisher nicht garantiert. Beispielsweise hatte ein Arzt in Seattle die Zellen seines Patienten John Moore patentieren lassen, ohne ihn darüber zu informieren. Das Schweizer Pharma-Unternehmen Novartis vertreibt nun ein Medikament, das sich die Zellen Moores zunutze macht.

Das habe privaten Unternehmen Tür und Tor geöffnet, die Nutzung menschlicher Gene als Monopol zu betreiben, ohne die Rechte der Spender zu achten, kritisiert Hope Shand, Forschungsdirektor der US-Organisation 'Rural Advancement Foundation International' (RAFI).

Zum einen sei es fraglich, ob es Unternehmen erlaubt werden solle, Geschäfte mit menschlichen Genen zu machen. Auch bestünden zu viele Grauzonen, beispielsweise stelle sich die Frage, wer Zugang zu den gesammelten Genen haben solle.

Auch Ureinwohner-Organisationen stehen bisherigen Maßnahmen zur Sammlung von Genen skeptisch gegenüber. Es sei merkwürdig, die biologische Vielfalt durch das Einfrieren von Zellen erhalten zu wollen, kritisiert Abadio Green, Präsident der Nationalen Ureinwohner-Organisation Kolumbiens.

Es sei sinnvoller, das für ein solches Vorhaben erforderliche Geld in die Verbesserung von wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedingungen der Ureinwohner zu investieren und damit in ihr Überleben.

Nach Meinung von Ureinwohnerorganisationen setzt das Projekt zur Sammlung menschlicher Gene eine vollständige Beteiligung der Betroffenen voraus. Sie dürften nicht die Rechte an ihren eigenen Genen verlieren, betont Leonor Zalabata Torres von den Arhuaco in Kolumbien.

Solange diese Bedingungen nicht gewährleistet seien, soll nach Meinung von Ureinwohnern ein internationales Moratorium die Sammlung solcher Daten verhindern. (Ende/IPS/bw/ger/1997)