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AFRIKA: Pressefreiheit durch Internet - Journalisten schlagen Diktaturen ein Schnippchen

Von Vukoni Lupa-Lasaga
NAIROBI, 21. November (IPS) - Afrikanische Journalisten, die sich von den Zensurbestimmungen ihrer Länder nicht gängeln lassen wollen, nutzen zunehmend das Internet.

Die Medien in Nigeria hätten gute Aussichten, die Diktatur von General Sani Abacha zu überleben, versicherte der geschäftsführende Redakteur der nigerianischen Wochenzeitschrift 'The News', Babafemi Ojudu.

Seit das Militärregime in einem jüngsten Angriff auf die Medien die Telefonleitungen des Blattes gekappt haben, arbeitet Ojudu aus dem Untergrund. Den Kontakt zu seinen Kollegen hält er über das Internet aufrecht.

`Ich hänge meinen Laptop einfach an die Telefone von Freunden", berichtete Ojudu auf einem Treffen, das das US-amerikanische Friedensforum kürzlich in der kenianischen Hauptstadt Nairobi veranstaltet hatte.

Das 'Freedom Forum' ist eine 900 Millionen Dollar schwere Stiftung, die sich für die weltweite Presse- und Redefreiheit einsetzt. Seit kurzem gibt es eine Niederlassung im südafrikanischen Johannesburg.

Um nach Nairobi zu kommen, mußte der nigerianische Journalist illegal über Benin anreisen. Hätte er ein Flugzeug in Lagos bestiegen, wäre er verhaftet und sein Paß beschlagnahmt worden.

Durch die Online-Verbindung sei es möglich gewesen, über einen Giftbenzin-Skandal zu berichten, der den Tod mehrerer nigeranischer Autofahrer und Mechaniker verursacht habe, erklärte Ojudu auf dem Treffen.

In Nigeria selbst sei es unmöglich gewesen, an die Informationen über das Importgeschäft heranzukommen. Daß die Schuldigen und ihre internationalen Komplizen dennoch enttarnt werden konnten, sei E- Mail zu verdanken.

Wann immer die Regierung Abacha gegen Menschenrechte und Pressefreiheit verstößt, sind die Medien in der Lage, darüber zu berichten. Das Unabhänige Journalisten-Zentrum in Lagos hilft ihnen dabei, indem es Berichte zum Thema in das Internet einspeist.

Auch Mugambi Karanja, leitender Redakteur beim 'East African Standard', der bislang überlebensfähigsten Tageszeitung in englischer Sprache, hob die Bedeutung der technischen Neuerungen hervor.

Allerdings seien gut recherchierte Berichte das A und O des journalistischen Handwerks, die einer möglichst großen Leserschaft zugänglich sein müßten, betonte Karanja.

Langfristig werde Internet aber nicht nur einer Elite vorbehalten sein, betonte der Vizevorsitzende von Freedom Forum, Adam Clayton Powell III. `In 20 Jahren wird jede Familie oder jedes Dorf einen eigenen Computer plus Anschluß besitzen."

Daß die meisten Staaten des schwarzen Kontinents mittlerweile einen Zugang zur internationalen Datenautobahn hätten, verdeutliche die Geschwindigkeit, mit der sich das Medium durchsetze, betonte der Computerfachmann. Noch im vergangenen Jahr seien nur einige wenige Länder vernetzt gewesen.

Bedenken wegen der miserablen Telefonverbindungen in Afrika schob Powell beiseite. Mobilfunktelefone würden in naher Zukunft viel besser und kostengünstiger dafür sorgen, daß sich die Menschen in den entlegendsten afrikanischen Dörfern verständigen könnten.

Die Teilnehmer der Konferenz kritisierten in Nairobi das Fehlen freier und demokratischer Medien. Journalisten würden noch immer behindert, eingesperrt und getötet.

Im letzten Jahr wurden nach Angaben der New Yorker NGO 'Freedom House' mindestens sechs Medienvertreter in Afrika getötet und 100 verhaftet. Unter den 456, die zwischen 1985 bis 1995 weltweit ums Leben kamen, waren 53 Afrikaner. (Ende/IPS/kb/ger/1997)