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Von Beena Sarwar KARATSCHI, 30. Dezember (IPS) - Etwa 100 bis 150 Frauen aus Bangladesch und Birma werden täglich illegal nach Pakistan eingeschleust und dort als Prostituierte an Bordellbesitzer verkauft, schätzen Experten.
Der Jurist Zia Ahmed Awan von den 'Anwälten für Menschenrechte und Hilfe vor Gericht' (LHRLA) beziffert die Zahl der illegal in Pakistan lebenden Bangladescherinnen auf rund 200.000, darunter etwa 2.000 in Gefängnissen oder Frauenhäusern. Nach einem Bericht der Polizei in der Provinz Sindh stammten 1993 rund 80 Prozent der Einwanderer aus Bangladesch und 14 Prozent aus Birma.
Weil die Frauen illegal eingereist seien und als Prostituierte arbeiteten, machten sie sich strafbar, denn nach dem Gesetz ist Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe in Pakistan eine Straftat. Deshalb entbehrten sie des staatlichen Schutzes, bemängelten Menschenrechtler in der vergangenen Woche auf einer Tagung von LHRLA und der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO).
Ganz gleich, ob sie wegen fehlender Papiere oder wegen Ehebruchs angeklagt würden, müßten sie mit mehreren Jahren Haftstrafe rechnen, berichtete die Anwältin Nausheen Ahmed.
Weil die Regierung in Bangladesch sich weigere, Frauen ohne Papiere als Bangladescherinnen anzuerkennen, sei die Ausweisung oft schwierig und zögere sich über Jahre hinaus, die die Frauen oft selbst nach Verbüßung ihrer Strafe im Gefängnis verbringen müßten.
Teilnehmer der Tagung forderten vor allem, an das Problem mit mehr Menschlichkeit heranzugehen und die Frauen nicht als Straftäterinnen, sondern als Opfer des Menschenhandels anzusehen.
Die Methoden der Schlepper sind vielfältig: Entweder locken sie die Frauen mit falschen Versprechungen nach Pakistan, überzeugen ahnungslose Eltern von einer Heirat oder entführen die Frauen ganz einfach.
Für die Schlepper lohnt sich das Geschäft allemal, denn eine Bangladescherin bringt ihnen zwischen 1.500 und 2.500 Dollar ein, je nachdem, wie alt, willig und hübsch sie ist. Journalisten, die sich als Käufer ausgaben, fanden ebenfalls heraus, daß die Polizei bereit ist, mitzuspielen, wenn ihr 15 bis 20 Prozent 'Kommission' geboten werden.
Das Problem sei nicht die hohe Anzahl von Einwanderern, betonte Wajiuddin Ahmed, Präsident des Oberlandesgerichts von Sindh, sondern vielmehr, wie die Frauen ausgebeutet würden und welche Behandlung sie hinnehmen müßten.
Er bemängelte, Polizei und Grenzschutz unternähmen nichts gegen den Menschenhandel, sondern drückten beide Augen zu. Kaum ein Schlepper sei je gefaßt und bestraft worden, betonte er. Wenn die Behörden nicht ihre Pflicht täten, gebe es keine Chance, das Problem zu bewältigen, so der Richter.
`Wir können für die Frauen nichts tun, solange Regierungen nicht anerkennen, daß es ihre Pflicht ist, gegen die Ausbeutung der Frauen vorzugehen", betonte auch Mohini Giri, Direktorin der indischen Frauenkommission. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) müßten Druck auf die Regierung ausüben, damit Islamabad endlich aktiv werde, betonte sie. (Ende/IPS/bw/slg/1997)