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Von Nhial Bol KHARTUM, 9. Janaur (IPS) - Nubier im Nordsudan haben mit kollektivem Selbstmord gedroht, sollte die Regierung an einem Staudamm-Projekt festhalten, das im letzten verbliebenen Siedlungsgebiet der Ethnie entstehen soll.
`Wenn uns unser Land genommen wird, bringen wir uns um", sagte Suad Ibrahim Ahmed, Führerin der Nubischen Allianz, die gegen das im Northern State geplante Energieprojekt ankämpft. Die Menschen, die im Wadi-Halfa-Distrikt lebten, seien eher bereit zu sterben, als ihre Sprache und Kultur aufzugeben.
Ahmed, die sich in der Region auch als Frauenaktivistin einen Namen gemacht hat, versicherte, daß die Nubier grundsätzlich für Entwicklung seien. `Ein Projekt aber, das unsere Traditionen ignoriert, lehnen wir ab. In einem solchen Falle ziehen wir es vor, ohne Entwicklung zu bleiben."
Doch die Regierung in Khartum scheint entschlossen, den Bau des Staumdamms durchzuziehen, um die Stromversorgung in der Region zu sichern. Eine chinesische Firma ist bereits damit befaßt, das in Frage kommende Gebiet zu untersuchen.
Mit dem Bau des Staudamms werde bald begonnen, hatte der zuständige Minister Oberst Mohammed Saliheen im Dezember gegenüber der offiziellen Nachrichtenagentur SUNA bestätigt. Die betroffenen Gemeinschaften würden umgesiedelt und angemessen entschädigt werden. Damit betraut ist ein Sonderkomitee unter Leitung von Vizepräsident General Al Zubair Mohammed Salih.
Doch Ahmed zufolge werden sich die Nubier auf keinen Fall auf Abfindungen einlassen. Sie sind in dieser Woche an die Öffentlichkeit getreten und haben in ihrem Aufruf die Medien und Menschenrechtsorganisationen um Hilfe gebeten.
`Wir sind eine Gruppe sudanesischer Nubier aus dem Wadi-Halfa- Distrikt, einem Gebiet, das in diesem Jahrhundert bereits viermal (zwischen 1902 und 1963) wegen Dämme unter Wasser gesetzt wurde, heißt es in dem zweiseitigen Schreiben.
Der in englischer und arabischer Sprache erschienene Aufruf bringt die Sorge der Nubier zum Ausdruck, daß die Politik der Regierung darauf abziele, ihre Traditionen der arabischen Kultur zu opfern. `Einige von uns fürchten, daß die eigentliche Absicht hinter den Staudammplänen die Vernichtung unserer Existenz ist."
In den Städten Wadi Halfa, Dongola und Marowe leben noch knapp 18.000 Nubier. Die meisten von ihnen wurden 1963 umgesiedelt. Sie sind nun im Osten des Sudans, an der Grenze zu Eritrea und Ähiopien, beheimatet.
Von der Nachrichtenagentur Inter Press Service (IPS) befragte Einwohner Wadi Halfas sagten, daß die Regierung den Druck auf die Nubier, aus der Region zu verschwinden, erhöht habe.
Der Hafen der Stadt wurde abgeriegelt, was zu einer Hungersnot im gesamten Einzugsgebiet von Wadik Halfa führte. Berichten zufolge verkaufen die Menschen ihre Habseligkeiten und machen sich Richtung Khartum auf.
Die Nubier-Sprecherin Ahmed hat sich auch an den Staatspräsidenten General Omar Hassan al Bashir gewandt. `Wenn wir die gesamte Politik in der Region (...) betrachten, kommen wir zu dem Schluß, das wir diskriminiert werden", heißt es in einem Schreiben an den Präsidenten, das der Nachrichtenagentur in Kopie vorliegt.
Objektiv gebe es keine plausiblen Gründe für ein Vorgehen, das die fragile Wirtschaft zerstöre und die einzig übriggebliebenen nubischen Gemeinschaften vom Land ihrer Ahnen vertreibe, argumentierte Ahmed. (Ende/IPS/kb/slg/1998)